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Man sollte es der Politik verbieten, sich in Bereiche einzumischen, die gut funktionieren. Google und Facebook zum Beispiel sind zwei Unternehmen, von denen man als Nutzer außerordentlich profitiert und an die man in seinem Leben noch nie auch nur einen Cent bezahlt hat. Google hat beispielsweise mit Google Street View ein faszinierendes Projekt realisiert, welches es potenziell jedem Menschen ermöglicht, die ganze Welt zu erkunden. Dafür fuhren Autos des Unternehmens kreuz und quer über alle Kontinente, ehe das Mammutprojekt erfolgreich abgeschlossen war. Kosten für die, die davon nun profitieren? Keine. (...) Abgesehen davon, dass ich Google mehr vertraue als der Bundesregierung, was den Datenschutz angeht (Stichwort Steuersünder-CD, bei der die Regierung sich an der Hehlerei mit Daten beteiligte), sind nur die wenigsten User so dumm, wie die Politiker glauben. Es ist wirklich nicht sonderlich schwer, auf Facebook zu sein, ohne seine Seele zu verkaufen. Die meisten aber, die tatsächlich zu dämlich sind, soziale Netzwerke zu nutzen, sind entweder Politiker (Weiner-Affäre), von Natur aus für jede Butterfahrt zu haben oder einfach überfordert mit den simpelsten Regeln, auf die man im Netz achten sollte. Die sollten das Internet einfach meiden, wer die Führerscheinprüfung nicht besteht, darf schließlich auch nicht Auto fahren.

Gideon Böss: Google ist seriöser als die Bundesregierung


Das Einfachste wäre, man würde den Boulevard verbieten.
Keine Zeitungen mehr, die den Leuten vorrechnen, was sie die Euro-Rettung oder der wiederkehrende Betrug auf dem Sozialamt kostet. Keine Schlagzeilen gegen neue Ökosteuern, zu lasche Urteile und freche Ausländer. Stattdessen nur noch wohlmeinende Kommentare, warum es gut ist, wenn wir nun die Griechen herauspauken und uns für die Ausweitung des Sozialen immer weiter verschulden. Am besten man stellte bei der Gelegenheit auch gleich das Privatfernsehen ein. (...) Mit Sicherheit wären die fortschrittlichen Kräfte dem Boulevard ein wenig gnädiger gesonnen, wenn sie selbst in dem Metier erfolgreicher wären. Aber es ist eben wahnsinnig schwer, zum Beispiel eine linke "Bild" zu machen, wie sich zeigt. Man kann den Lesern noch so oft vorbeten, warum jugendliche Straftäter Mitgefühl statt Gefängnis verdienen und jeder, der von außen zu uns kommt, ein Segen für das Land ist. Die Leute halten trotzdem hartnäckig an ihren Vorurteilen fest und lassen die pädagogisch wertvolle Botschaft respektlos am Kiosk liegen.

Jan Fleischhauer: Halten Sie durch, Mr. Murdoch!


Henryk M. Broders Regeln für eine ausgewogene und faire Berichterstattung:

Erstens: Wenn du über den Horrortrip einer Schulklasse schreibst, die in einem ICE unterwegs war, in dem die Klimaanlage nicht funktionierte, dann vergiss nicht zu erwähnen, dass die Bundesbahn täglich etwa 1400 Züge auf die Reise schickt, von denen nur ganz wenige wegen „technischer Störungen“ das Ziel nicht erreichen.

Zweitens: Wenn du über „Ehrenmorde“, Selbstmord- oder Mordanschläge islamischer Fundamentalisten schreibst, dann vergiss nicht zu erwähnen, dass 99,9 Prozent aller Muslime friedlich sind und Gewalt verabscheuen. Und falls du dann die Frage stellst, warum 99,9 Prozent mit den 0,1 Prozent, die ein wenig gewalttätig sind, nicht selber fertig werden, dann wundere dich nicht, wenn du als „islamophob“ bezeichnet wirst.

Drittens: Wenn du über die Aktivitäten der Stasi schreibst, über das Aushorchen von Familienangehörigen, Nachbarn, Kollegen am Arbeits- und Sportplatz, dann vergiss nicht zu erwähnen, dass man auch in der DDR „ganz normal“ leben konnte und dass es auch im Westen Denunzianten gibt, die dich wegen Parkens im Halteverbot bei der Polizei anzeigen.

Viertens: Wenn du über den Missbrauch von Sozialleistungen schreibst, über Arbeitsverweigerer, die ihre Wohnung nur verlassen, um sich die Stütze abzuholen, und über Sozialarbeiter, die einen Maserati als Dienstwagen fahren, dann vergiss nicht zu erwähnen, dass die meisten Sozialhilfeempfänger sehr gerne arbeiten würden und dass fast alle Sozialarbeiter Idealisten sind, die schlecht bezahlt werden.

Fünftens: Wenn du über einen Mann schreibst, der in der U-Bahn von Jugendlichen zusammengeschlagen wurde, dann vergiss nicht zu erwähnen, er habe die Tat möglicherweise durch sein Verhalten provoziert, weil er die Jugendlichen mit einem Hinweis auf das Rauchverbot herausgefordert hatte, ohne zu bedenken, dass sie aus einem ganz anderen Kulturkreis stammen und tagtäglich gegängelt werden.

Sechstens: Wenn du über alleinerziehende Mütter schreibst, die die Übersicht sowohl über die Zahl ihrer Kinder wie der Kindsväter verloren haben, dann vergiss nicht zu erwähnen, dass sie unverschuldet in eine solche Situation geraten sind, weil der Staat es versäumt hat, sie rechtzeitig über Empfängnisverhütung und Geburtenkontrolle aufzuklären.

Siebtens: Wenn du über Steinigungen von Ehebrecherinnen im Iran und öffentliche Hinrichtungen in Saudi-Arabien schreibst, dann vergiss nicht zu erwähnen, dass es noch gar nicht so lange her ist, dass in Europa Hexen verbrannt und Todesurteile öffentlich vollzogen wurden.

Achtens: Wenn du über die Zustände in Afrika schreibst, wie Milliarden an Entwicklungshilfe dazu benutzt werden, korrupte Regime am Leben zu erhalten, dann vergiss nicht zu erwähnen, dass dies die späten Folgen des Kolonialismus sind. Und dass wir uns deswegen mit Kritik zurückhalten und erst einmal vor der eigenen Tür kehren sollten.

Neuntens: Wenn du über die Hamas schreibst, wie sie mit ihren politischen Gegnern verfährt, die eigene Bevölkerung unterdrückt, „Verräter“ hinrichtet und vom Iran ferngesteuert wird, dann vergiss nicht, darauf hinzuweisen, dass sie in „demokratischen Wahlen“ an die Macht gekommen ist.

Zehntens: Und wenn du durch eine Verkettung unglücklicher Umstände im Jemen entführt oder von einer Al-Qaida-Gruppe als Geisel genommen werden solltest, dann denk daran, dass auch anderen Menschen Unrecht geschieht und besteh nicht darauf, von der Bundesregierung freigekauft zu werden.


Wer die Waffe ergreift, muss damit rechnen, durch die Waffe umzukommen. Trotzdem überwiegen in Deutschland nach dem Tod Bin Ladens die Bedenkenträger. (…) Die deutsche Medienreaktion unterscheidet sich jedenfalls auf eklatante Weise von den Äußerungen der Bundesregierung zum Tod Bin Ladens. In der WDR-Sendung „Politikum“ wird der Terrorfürst gar zum „54-jährigen Familienvater“ stilisiert, damit diese unzivilisiert jubelnden „Amis“ besonders schlecht aussehen. Und brave deutsche Juraprofessoren geben zu Protokoll, die US-Kommandoaktion habe Völkerrecht verletzt

Clemens Wergin: Das deutsche Zartgefühl für einen Massenmörder


In der Meinungswirtschaft, in der ich mein Geld verdiene, gibt es praktisch nur Linke. Und wer es nicht ist, behält das lieber für sich. (Denn): Niemand möchte im Büro derjenige sein, der beim Gang zum Mittagessen als Einziger bei der Frage übergangen wird, ob er mitkommen wolle.

Jan Fleischhauer


Die sogenannten Bilderberg-Konferenzen finden seit 1954 jährlich an wechselnden, möglichst geheim gehaltenen Orten statt. Angeblich sind die Treffen rein privater Natur, doch wenn die Mächtigen aus Wirtschaft und Adel Politiker zum geheimen Gespräch laden, wundern sich auch Menschen, die keinen Verschwörungstheorien anhängen. (...) Der wissenschaftliche Mitarbeiter des Instituts für praktische Journalismusforschung in Leipzig arbeitet an einer Dissertation über den Elite-Journalismus und die Netzwerke, in denen er sich bewegt - weit über die Bilderberger hinaus. Er recherchiert, welche Chefredakteure oder Ressortchefs der wenigen meinungsbildenden Medien in welchen Organisationen tätig sind, welche Tagungen sie besuchen, auf welchen Podien sie die große Politik mit diskutieren. Als Ergebnis sieht er eine Art publizistisches Spinnennetz mit mehr oder weniger dicken Fäden und Knoten, die für einzelne Kontakte zwischen Politik, Lobby und Medien stehen. "Wenn man diese Netzwerke näher analysiert, kommt man zum Beispiel zu dem Ergebnis, dass der Außenpolitik-Chef der Süddeutschen und der Außenpolitik-Chef der Frankfurter Allgemeinen, die ja konkurrierende Zeitungen sind, ein Netzwerk haben, die in großen Teilen übereinstimmend sind. Das ist schon erstaunlich und das mag auch Auswirkungen haben auf die Färbung von Berichterstattung, auf einen gewissen Gleichklang, auf einen Mainstream, der vielleicht entsteht, weil die Schlüsselpersonen mit denselben Politikern und Wirtschaftsleuten in Kontakt sind."

Detlef Grumbach: Re-Feudalisierung und Privatisierung der Macht?

siehe auch: Jens Berger: Das Bilderberg Phänomen und: Hans Jürgen Krysmanski: Hirten & Wölfe


Der Kommunikationswissenschaftler Winfried Göpfert schätzt, dass von den etwa 2000 Wissenschaftsjournalisten in Deutschland weniger als 10 Prozent ausschliesslich als Journalisten arbeiten. Die anderen, vor allem die vielen freien Autoren, verdienen ihr Einkommen mit einer «Mischkalkulation»: Neben der Arbeit für Medien schreiben sie Beiträge für Unternehmenspublikationen, moderieren Podiumsdiskussionen auf Symposien, die von Firmen veranstaltet werden, und übernehmen PR-Aufträge aller Art.

> Doktoren auf der Medienbühne


Die taz ist ein Sektenorgan, und ihre Leser sind nicht wertkonservativ, sie sind reaktionär, engstirnig und 100%ig humorlos, Bionade-Spießer, die eine McDonalds-Filiale in Kreuzberg als bedrohlich empfinden, während das iranische Atomprogramm ihnen nicht mal den Appetit auf ein Tofu-Schnitzel verdirbt.

Henryk M. Broder / Reaktion auf: "Es war ein langer und lauter Furz"


Die Krise der FDP geht über Personal und konkrete Politik hinaus. Sie markiert zugleich eine Krise des Liberalismus – jener politischen Ideologie, der Deutschland seinen Erfolg mitverdankt. Denn der Zeitgeist weht anders. Leider. (...) Die FDP als Träger des Liberalismus im Parteienspektrum hat dieser Republik trotz mancher Irrung sehr gutgetan. Sie hat die Rechte des Einzelnen gegen kollektivistische oder sicherheitspolitische Angriffe verteidigt - auch wenn es unbequem war. Aufgabe einer "neuen FDP" müsste es deshalb nicht sein, grün statt gelb zu werden. Sie müsste im Gegenteil dazu zurückfinden, innen- und außenpolitisch ein liberales Welt- und Menschenbild hochzuhalten. Denn der Zeitgeist wird sich wieder ändern. Mit oder ohne FDP.

Tobias Kaufmann: Lob des Liberalismus


Der neue Parteichef der FDP vermittelt nicht den Eindruck, aufgrund inhaltlicher Überzeugungen das Amt auszufüllen. Auch auf Landesebene (siehe Berlin) sind nicht Leute in Entscheiderpositionen, weil sie für bestimmte Inhalte stehen. Vielmehr sitzen da inhaltsneutrale Politverwalter, die sich vor Wahlen spontan fragen, was man denn jetzt mal fordern könnte, um noch ein paar Promillepünktchen mehr zu ergattern – siehe Berlin.

Alexander Gutzmer: HSVFDP


Freiheitlich sind ja auf irgendeine Weise alle demokratischen Parteien. Aber sie bieten das Freiheitliche wohldosiert im Nebenfach an. Im Hauptfach sind sie christlich oder konservativ oder sozial oder ökologisch, meist von allem ein bisschen. Volksparteien eben, wozu inzwischen auch die Grünen gehören, seit sie erstarkt sind und die Messlatte für den Begriff Volkspartei gesenkt wurde. Nur die FDP pocht auf Freiheit als Hauptprogramm. Und das ist ihr Problem, viel mehr als Guido Westerwelle. Die Freiheit ist in Deutschland kein Hauptthema sondern ein Zusatz. Die Sozialen sagen: Was nützt mir die Freiheit, wenn ich keinen Arbeitsplatz oder kein Hartz IV habe. Die Konservativen und die Christlichen sagen: Die Freiheit muss ihre Grenzen haben. Die Grünen sagen: Freiheit ja, aber wichtiger ist, dass wir den Untergang der Welt verhindern. Ihnen allen stimmen viel mehr Deutsche zu als den Liberalen, die sagen, ohne Freiheit ist alles nichts. Sogar die Linke, die das Wort Freiheit nur unter Ekelbekundungen in den Mund nimmt, findet inzwischen wieder mehr Zustimmung als die FDP.

Rainer Bonhorst: Joggen am Abgrund


Nun also auch die FDP. Mit ihrem Slogan vom mitfühlenden Liberalismus begehrt sie als letzte der im Bundestag vertretenen Parteien Einlass in den Club der Parteien, die linke Positionen übernommen haben. Zwar sind nicht alle Parteien 'links' in einem traditionellen Sinne geworden, aber der in den letzten Jahren zu beobachtende Linksruck auch in den Medien hat den politischen und gesellschaftlichen Diskurs nachhaltig verändert.

Klaus Schroede: Auf den Spuren von Gramsci


Die FDP verspricht eine Steuerreform ("ein einfacheres und gerechteres Steuersystem") - sonst NICHTS, zumindest wurde nichts sonst vom Wähler wahrgenommen - und erzielt damit das Rekordergebnis von 14,6 %. Dann liefert sie keine Steuerreform und auch sonst fiskalpolitisch exakt gar nichts, was die Wähler im entferntesten mit ordoliberalen Positionen verbinden könnten. (Frank Schäffler ausgenommen.) Die Umfragewerte gehen folgerichtig in den Keller. Was lernt die FDP daraus? Dass es nun Zeit wäre, das Binge-Spending für Pleitestaaten zu beenden und damit erstens den Euro zu retten und zweitens Spielräume für eine Steuerreform zu schaffen? Dass es ein gigantischer Fehler war, das Außenministerium mit Guido Westerwelle statt das Finanzministerium mit Hermann Otto Solms zu besetzen? Nein. Sondern dass der Wähler einen “mitfühlenden Liberalismus” wünscht. Stimmt schon - für die 85,4%, die die FDP nicht gewählt haben und nie wählen würden.

David Harnasch: Das Problem des organisierten Liberalismus - in a nutshell


Über keinen deutschen Politiker ist so viel Abträgliches im Umlauf wie über den Parteichef der FDP. Westerwelle kann machen, was er will, am nächsten Tag steht in den Zeitungen, warum es falsch war.
Erst schreibt man ihn unisono herunter, dann nimmt man die sinkenden Sympathiewerte als Bestätigung, dass man mit seiner Einschätzung richtig lag und setzt noch einen drauf. Nicht die Tatsache, dass nur noch 22 Prozent der Deutschen ihn sich als Außenminister wünschen, ist angesichts dieses medialen Abwertungsverfahrens die Nachricht; die eigentliche Sensation ist, dass sich überhaupt noch so viele Menschen trauen, ihm auf Nachfrage ein positives Zeugnis auszustellen.

Jan Fleischhauer: Westerwelle - eine antizyklische Verteidigung


Wie man es auch dreht und wendet, grobe Fehler hat Westerwelle keine gemacht. Blass ist er bis jetzt geblieben, das stimmt. Doch das könnte man auch von seinen Vorgängern Frank-Walter Steinmeier und Klaus Kinkel sagen. […] Egal, wie Westerwelle agiert, Hoffnungen, wie einige seiner Vorgänger zum Umfragekönig aufzusteigen, sollte er sich keine machen. Der Grund dafür ist einfach: Deutschlands Journalisten mögen die FDP nicht besonders. Man könnte auch sagen, sie hassen die Liberalen aus vollem Herzen. Kurz nach seiner Versetzung in die deutsche Hauptstadt notierte Ulrich Schmid, der Berliner Korrespondent der „Neuen Zürcher Zeitung“ fassungslos, ein Bekenntnis zur FDP erfordere in Deutschland heute ähnlich viel Mut wie ein Bekenntnis zur rechtsextremen NPD. Tatsächlich hat man, wenn man die Berichterstattung einiger deutscher Zeitungen, aber auch des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verfolgt, den Eindruck, als handle es sich bei der FDP um eine gefährliche, extremistische Partei. Was am Programm der deutschen Liberalen so radikal sein soll, kann allerdings niemand erklären. In den USA würde die FDP zum linken Flügel der Demokraten gehören und Barack Obama, den Deutschlands Medien so sehr lieben, wäre in der FDP ein Rechtsaußen.

Hansjörg Müller: Warum hassen Deutschlands Journalisten die FDP?


… man müsste mit liberaler Inbrunst vor dem unfreien Islam warnen – und schon würden der FDP ganz neue Stimmen zufliegen. Gewiss, einige Stammwähler würden so vertrieben, aber was heißt das schon für eine Partei, die bei drei Prozent liegt? Nein, es ist weniger Kalkül, das die FDP davon abhält, die populistische Karte zu ziehen, es ist vielmehr Anstand. Lieber riskiert sie ihre Existenz als ihre Reputation. Die Liberalen leisten mit diesem Verzicht genauso viel für das Gemeinwohl, für das multikulturelle Deutschland und die europäische Integration, wie die SPD es mit ihrer Agenda 2010 für die Reformfähigkeit des Landes tat. Und – wie es aussieht – mit demselben dramatischen Ergebnis für die Partei: dem drohenden Niedergang.

Bernd Ulrich: Hut ab vor der FDP


Unter den wirklich meinungsbildenden Journalisten in Deutschland gibt es kaum Vertreter mit eindeutiger FDP-Affinität. Das trifft die Liberalen hart, denn die Bewertung politischer Entscheidungen erfolgt heute weder durch eine direkte Berührung mit den gewählten Volksvertretern, noch durch die Kenntnisnahme von Parlamentsdebatten und Öffentlickeitsarbeit, - noch auf der Basis von zur Diskussion gestellter Papiere, Essays und Programme, - sondern sie erfolgt fast ausschließlich über die Steuerung, Filterung und Programmbesetzung in den Medien. Bezeichnend für die politische Kultur dieses Landes ist die Tatsache, das die postkommunistische Partei "Die Linke" derzeit etwa 12 Prozent der Wäherstimmen bekommt, die Freien Demokraten aber schon an der 5-Prozenthürde scheitern würden (Stand Sommer 2010) Der Qualitätsjounalismus betrachet dieses Mißverhältnis leider nur als Marginalie.
Nennen die Lieralen hingegen Mißstände beim Namen (s.a. > hier) schlägt man sie ohne inhaltliche Prüfung mit dem Begriff "Klientelpolitik" tot. Deshalb bekommt die FDP auch nie die Chance als "Volkspartei" wahrgenommen zu werden. Für die Grünen und die Linke gibt es diese Schublade interessanterweise nicht. Da wird differenziert. Grüne und Linke betreiben zwar geichermaße "Klintelpolitik" aber das Maß an Verachtung das der fälschlicherweise als "Lobby der Besserverdiennden" bezeichneten Partei entgegenschlägt bleibt ihnen erspart. In einer Dienstleistungsgesellschaft die mit ihrer Automatisierung und Produktivitätssteigerung der Hälfte aller Wähler illusionslos vor Augen führt, das ihr Berufsleben und damit ihre Erwerbsquelle in Wahrheit nur auf einem sozialverträglichen Beschäftigungsprogrammen basiert, findet eine Partei, die auf Freiheit, Eigenverantwortung und individuelles Risiko setzt, keine Resonanz. Wer einen Sündenbock für diese narzistische Kränkung und Deutschlands "soziale Kälte" sucht, findet ihn zuallererst bei Josef Ackermann und dann natürlich bei - Guido Westerwelle !

- just my 5 cents ...


Wenn es Frau Benhabib für “rechts” und “konservativ” hält (für Edel-Linke wie sie sowieso dasselbe), dass man für pluralistische demokratische Gesellschaften, für strikte Trennung von Staat und Religion, für Frauen- und Minderheitenrechte etc. pp. in arabischen Ländern wie in der ganzen Welt eintritt, also für das klassische Programm von Aufklärung und Liberalismus und gegen deren Todfeinde wie die Muslimbrüder oder Hamas und Hisbollah – dann soll sie das doch meinetwegen “rechts” oder “konservativ” finden. Wenn sie sich dabei besser fühlt… Linkskonservative Möchtegern-Mandarine deutscher Feuilletons haben da allerdings schon ein bisschen mehr Fantasie entwickelt, als sie klasisch-liberale gesellschaftspolitische Positionen (meine eigenen sind dabei zudem als reichlich prononciert individualistisch bekannt) als “Fundamentalismus der Aufklärung” zu stigmatisieren versucht haben, der mindestens genauso extremistisch sei wie der Islamismus. Wie diese Helden der Gegen-Aufklärung will Seyla Benhabib konsequente Verfechter des liberalen Säkularismus zu “Islamophoben” stempeln, weil diese dem islamischen Antiliberalismus, Antihumanismus und Antidemokratismus keinen Deut mehr "kulturellen" Kredit zuzubilligen bereit sind als den vergleichbaren Ideologemen etwa von katholischer oder protestantischer Seite. Benhabib fällt allerdings nichts Kreativeres ein, als diese unliebsame Haltung nach bekannter DDR- oder KPD/ML-"Antifa"-Art als "rechts" und "konservativ" anzublöken, weil damit für jeden anständigen Menschen guten Willens ja bereits alles über deren Verwerflichkeit gesagt sei.

Richard Herzinger: Gesucht: Der kürzeste Weg zurück zum Westen


[Julian] Asssange hat sich im Internet eine Wirkungssphäre geschaffen, die ohne geltendes Recht auskommen will. Diese Haltung ist im Web ohnehin sehr verbreitet. Sie beginnt bei beleidigenden Leserkommentaren, reicht über üble Nachrede, getarnt als objektiver Eintrag bei Wikipedia, und endet letztlich beim organisierten Geheimnisverrat des Wikileaks-Projektes.
Aus purer Hilf- und teilweise auch Ahnungslosigkeit haben wir – das schließt den Journalismus neben der Politik mit ein – diesem zum Teil unverantwortlichen Treiben viel zu lange zugesehen, während uns sogenannte Netzexperten glauben machen wollten, das Internet schaffe schon irgendwie seine eigene Ethik. Das ist nicht passiert. Stattdessen gilt es bei manchen heute schon als Zensurmaßnahme, wenn man gegen Kinderpornografie zu Felde zieht. Dieser digitalen Kultur des „Anything goes“, in der alles möglich und natürlich möglichst auch alles umsonst sein soll, entstammt auch Julian Assange, der schon als 16-Jähriger mit dem Computer Sicherheitscodes von Firmen geknackt hat.

Claus Christian Malzahn: Die Verhaftung bringt Assange zurück in die Realität


Warum reagieren Medien so empfindlich und kritisch auf die Veröffentlichung von Wikileaks? - Mit der Veröffentlichung wird sichtbar, dass die Mehrheit der Medien nicht mehr richtig recherchiert. Denn hier werden Informationen über Regierungen, Informationen über die Tätigkeit von Diplomaten und Geheimdienste offen gelegt, die offen zu legen eigentlich die Aufgabe der Medien wäre. Den Medien wird der Spiegel vorgehalten. Da die meisten Medienschaffenden Kritik nicht ertragen können, reagieren sie gereizt auf einen solchen Vorgang. Dann wird so jemand wie der Boss von Wikileaks schnell mal zum Anarchisten stilisiert, wie von Welt online am 29. November.

Albrecht Müller / Nachdenkseiten


Da der umtriebige Australier [Julian Assange, Wikileaks] aus seiner Verachtung für die Angehörigen der schreibenden Zunft kein Hehl macht, ist es auch nicht verwunderlich, dass diese ihn nicht mögen.
Immerhin hat er nicht nur Politiker als geschwätzige und impotente Wichtigtuer bloßgestellt, er hat auch die Leyendeckers und Wüllenwebers des investigativen Gewerbes blamiert. Was kann er, was sie nicht können? Es ist, als würde ein Amateur mit seiner Seifenkiste das gesamte Formel-1-Feld hinter sich lassen. Deswegen konnte man in den letzten Tagen immer wieder Journalisten hören, die über ihre „professionelle Verantwortung“ dozierten: dass es eben nicht ausreiche, Dokumente unkommentiert ins Netz zu stellen, dass sie analysiert, ausgewertet und gewichtet werden müssen. Und das könnten eben nur erfahrene und verantwortungsbewusste Journalisten tun. Also muss man sich fragen, warum sie es nicht getan, warum sie das Feld einem Anfänger und Außenseiter überlassen haben, dessen Motive fragwürdig sind, dessen Arbeitsweise aber sehr professionell und effektiv ist! Und was unterscheidet die Helden von Watergate, Bob Woodward und Carl Bernstein, von Wikileaks und Julian Assange? Die Masse des Materials oder die Art, wie es öffentlich gemacht wurde? Hätte es in den 70er-Jahren schon das Internet gegeben, wären Bernsteins und Woodwards Enthüllungen über Richard Nixon zuerst online zu lesen gewesen und danach erst in der „Washington Post“.

Henryk M. Broder: Wir brauchen totale Transparenz in der Politik


Damit eines gleich klar ist: Ich freue mich unbändig über den Tod Osama Bin Ladens.
Und ich bin Bundeskanzlerin Angela Merkel dankbar dafür, dass sie ihre Freude über das Ende des Terroristenführers öffentlich zum Ausdruck gebracht hat. Nicht nur habe ich größtes Verständnis für den Jubel der Amerikaner über die hoch professionell und effektiv ausgeführte Aktion des US-Spezialkommandos, das einen der schlimmsten Menschheitsverbrecher der Geschichte der Gerechtigkeit zugeführt hat, ich hätte auch gerne zusammen mit den Menschen am Times Square oder an Ground Zero über diesen Triumph der Humanität über das Prinzip totalitärer Massevernichtung gejubelt. Und ich empfinde es als eine Schmach und als tief beunruhigend, dass hier in Deutschland nicht einmal ein Anflug solchen Jubels zu entdecken war.

Richard Herzinger: Der Tod Bin Ladens – ein Sieg der Humanität