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Knapp die Hälfte der Bundesbürger (45 Prozent) kann die Frage nicht beantworten, was am 8. Mai 1945 in Deutschland geschah. Das ergab eine Umfrage für stern.de. Besonders groß ist die Unwissenheit unter den Jüngeren: Mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der 18- bis 29-Jährigen wussten nicht, dass die Wehrmacht an dem Tag bedingungslos kapitulierte und somit der Zweite Weltkrieg in Europa beendet wurde.

8. Mai? War da was?


Siebzig Jahre ist es her, seit deutsche Truppen Polen überfielen und damit den Zweiten Weltkrieg begannen. Das Elend, für das ein solcher Gedenktag steht, ist noch vielen Menschen nahe und sitzt wie ein Stachel in ihrer Seele. Weltumspannend, von Danzig über Auschwitz, Stalingrad und Hiroshima bis zu den Stränden der Normandie. Beinahe beliebig könnte diese Liste des Grauens erweitert werden. Und doch wird schon bald niemand mehr am Leben sein, der an diesen Orten war, als der Krieg tobte. Was wird dann? Wird es nur noch ein paar Jahre dauern, bis der Zweite Weltkrieg in unseren Köpfen genauso weit weg ist wie die napoleonischen Schlachten, der Prager Fenstersturz oder die Feldzüge der Römer?

Frank Ochmann: Hitlers Erbe


Dass der Zweite Weltkrieg 1939 begann, wissen immerhin noch 61 Prozent der Deutschen. 60 Prozent erinnern sich, dass Joschka Fischer in Turnschuhen vereidigt wurde. Und 57 Prozent können die Dauer des Ersten Weltkriegs korrekt benennen: 1914 bis 1918. Das war's dann aber auch schon mit den Mehrheiten des historischen Wissens, der Rest ist Minderheitensache. Nur noch 40 Prozent wissen, dass der deutsche Angriff auf die Sowjetunion in Stalingrad scheiterte, ebenso viele, 40 Prozent, dass mit dem "Eisernen Kanzler" Otto von Bismarck gemeint ist. Noch weniger, nämlich 35 Prozent, nicht mehr als ein gutes Drittel also, können sagen, dass die Bundesrepublik Deutschland und die DDR im Jahre 1949 gegründet wurden. Dass die Berliner Mauer 1961 gebaut wurde, wissen gerade 34 Prozent der Deutschen, dass sie am 9. November 1989 fiel, können 33 Prozent sagen - kaum mehr als die Zahl jener, die das Jahrhundert des 30-jährigen Krieges kennen: 32 Prozent wissen, dass er Europa im 17. Jahrhundert verwüstete.

Hans-Ulrich Jörges: Gedächtnis der Nation


"Am zweiten Tag des Polenkrieges musste ich auf einen Bahnhof von Posen Bomben werfen. Acht von den 16 Bomben fielen in die Stadt, mitten in die Häuser hinein. Da hatte ich keine Freude daran. Am dritten Tag war es mir gleichgültig und am vierten Tage hatte ich meine Lust daran. Es war unser Vorfrühstücksvergnügen, einzelne Soldaten mit Maschinengewehren durch die Felder zu jagen und sie dort mit ein paar Kugeln im Kreuz liegen zu lassen … Die Pferde taten mir leid, die Menschen gar nicht. Aber die Pferde taten mir leid bis zum letzten Tag."

Sönke Neitzel und Harald Welzer: "Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben"


Es ist die pure Lust am Töten. „Es ist mir ein Bedürfnis geworden, Bomben zu werfen“, sagt einer der deutschen Soldaten. „Das prickelt einem ordentlich, das ist ein feines Gefühl. Das ist ebenso schön wie einen abzuschießen.“ Der Oberleutnant der Luftwaffe wähnt sich unter seinesgleichen. Er weiß nicht, dass er abgehört wird an diesem 17. Juli 1940 in einem britischen Kriegsgefangenenlager. Unverstellt prahlt er mit seinen Taten. Oder Oberstleutnant Müller-Rienzburg am 25. Dezember 1943, dem ersten Weihnachtstag: „Die SS hat eingeladen zum Judenschießen. Die ganze Truppe, sind mit Gewehren hingegangen und zusammengeknallt. Hat jeder sich aussuchen können, was für einen er wollte.“ Auch Müller-Rienzburg fühlt sich unbeobachtet, auch er weiß, dass seine Mitgefangenen ihn verstehen, dass sie ähnliches erlebt haben, dass man hier unter sich ist. In einer Schreckensgemeinschaft. (...) Die Dokumente zeigen, wie schnell ehrbare Familienväter im Krieg zu Kinderschlächtern werden können, wie Ehemänner zu Vergewaltigern. Es ist der „Referenzrahmen“ des Krieges, der die Männer so umformt, erklären Neitzel und Welzer. Das Abartige wird im Kampf zur Norm. Und zwar in erschreckend kurzer Zeit: „Am ersten Tag ist es mir furchtbar vorgekommen. Da habe ich gesagt: Scheiße, Befehl ist Befehl. Am zweiten und dritten Tag habe ich gesagt: das ist ja scheißegal, am vierten Tag, da habe ich meine Freude daran gehabt.“

Jobst Ulrich-Brand: Vom feinen Gefühl, Menschen zu töten


Nicht politische Ideologien, sondern Kleingruppenerfahrungen sind entscheidend für die Kampfkraft von Soldaten, ihre Tötungsbereitschaft wie ihre Durchhaltefähigkeit. Neben dem Vertrauen in die Kompetenz der Offiziere ist es vor allem die Erfahrung von Kameradschaft, die eine Truppe zusammenhält und sie auch dann noch weiterkämpfen lässt, wenn die politisch-militärische Lage aussichtslos geworden ist. Diese klassische Einsicht der Militärsoziologie wird auf der Grundlage neuer Quellen nun auch wieder für die Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg geltend gemacht, und dies gilt, so der Historiker Sönke Neitzel und der Sozialpsychologe Harald Welzer, auch und gerade für den Krieg der Wehrmacht im Osten. Die nationalsozialistische Ideologie, die Gegenüberstellung von Herren- und Untermenschen sowie der Antisemitismus haben danach für das Agieren der deutschen Soldaten eine weit geringere Rolle gespielt, als dies zuletzt in vielen Publikationen behauptet worden ist.

Herfried Münkler: Die moralische Innenseite des Kriegs


Vieles, was an Kriegsverbrechen in der nachträglichen Betrachtung als grausam, regellos und barbarisch erscheint, gehört einfach zum Referenzrahmen des Krieges. Vieles, was von außen wie kalter Zynismus erscheint, ist für die Soldaten also nichts als das bloße Abwickeln einer Arbeit. (...) Diese "Irrelevanz des Ideologischen" ist das große Thema der literarischen und filmischen Bearbeitungen von Kriegen, bei Erich Maria Remarque wie bei Ernst Jünger oder Francis Ford Coppolas "Apocalypse Now". Auch das steht in diesem Schlusskapitel, mit dem die Autoren die fiktiven Vermutungen historisch zu bestätigen trachten: "Bis auf eine kleine Gruppe von 'Weltanschauungskriegern' ist das zentrale Merkmal des Soldaten seine Abgeklärtheit und Gleichgültigkeit gegenüber zentralen Ursachen seiner Lage."

Dirk Pilz: Arbeit macht Spaß


Dieses Buch legt uf einer einzigartigen Quellengrundlage erstmals eine überzeugende Mentalitätsgeschichte des Krieges vor. Auf der Grundlage von 150.000 Seiten Abhörprotokolle deutscher Soldaten in britischer und amerikanischer Gefangenschaft wird das Wissen um die Mentalität der Soldaten auf eine völlig neue Basis gestellt. In eigens eingerichteten Lagern wurden Kriegsgefangene aller Waffengattungen und Ränge heimlich abgehört. Sie sprachen über militärische Geheimnisse, über ihre Sicht auf die Gegner, auf die Führung und auch auf die Judenvernichtung. Das Buch liefert eine Rekonstruktion der Kriegswahrnehmung von Soldaten in historischer Echtzeit - eine ungeheuer materialreiche Innenansicht des Zweiten Weltkriegs durch jene Soldaten, die große Teile Europas verwüsteten.

(Verlagsnotiz)


Um "Lebensraum" zu gewinnen und das Reich mit Nahrungsmitteln zu versorgen, wollten die Deutschen weite Landstriche der Sowjetunion entvölkern. Allein der Blockade Leningrads fielen rund eine Million Menschen zum Opfer. (...) Am 2. Mai 1941 treffen sich in Berlin die Staatssekretäre aller wirtschaftlichen Schlüsselministerien zu einer Besprechung über die ökonomischen Bedingungen des Russlandfeldzuges. Übereinstimmend stellt man fest, dass der Krieg gegen England nur weitergeführt werden könne, wenn die deutschen Soldaten künftig mit Lebensmitteln aus der Sowjetunion ernährt würden. Die Kosten dieser Ausbeutung habe die sowjetische Bevölkerung zu tragen, von der, wie es heißt, »zweifellos zig Millionen Menschen verhungern, wenn von uns das für uns Notwendige aus dem Lande herausgeholt wird«.

Jörg Ganzenmüller: Hunger als Waffe


"Alle Nachforschungen haben keinen Fall ergeben, bei dem ein die Tötungsbefehle verweigernder Angehöriger der SS entsprechend belangt worden wäre. Man konnte sich der Teilnahme an Selektionen entziehen" / Den häufig strapazierten Hinweis auf den Befehlsnotstand oder die sogenannte Putativnotwehr lässt Forscher Werner Renz nicht gelten

Pete Smith: "Versuche, die sonst nur an Kaninchen möglich sind"
Siehe auch Bildergalerie: "Normalität in Zeiten des Holocaust" und "Auschwitz auf dem Reißbrett"


Drei Viertel der Bundesbürger sind der Meinung, dass es in Deutschland nicht gerecht zugeht. Aber was ist Gerechtigkeit? Ist es gerecht, wenn ein Chinese einen Euro in der Stunde verdient, ein Osteuropäer drei Euro und ein Deutscher zehn Euro? Letztes Jahr sah ich auf Sylt einen Bettler, der hatte ein Kreditkartenlesegerät dabei… (...) Geht die Schere zwischen Reich und Arm denn wirklich auseinander? Um diese Frage zu beantworten, muss man zunächst wissen, wie Armut überhaupt definiert ist. In Deutschland gelten sie als arm, wenn sie weniger 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verdienen. Diese sogenannte Armutsgrenze liegt zurzeit bei etwa 800 Euro im Monat für einen Singlehaushalt. Stellen Sie sich ein Kreuzfahrtschiff vor, dessen Wasserlinie bei 800 Euro liegt. Dann entspricht der gesamte Bereich unter Wasser dem Anteil der Armen. Darüber liegt die Mittelschicht und ganz oben in den Suiten leben die Reichen und Superreichen. Nun kommen wir zu einer Maßnahme, die die Linken sehr charmant finden. Die sagen: „Lass‘ uns die Reichen enteignen und mit dem Geld etwas Vernünftiges machen. Wir kloppen ein Musicaltheater in die Uckermark...“ Was wird nun mit unserem Kreuzfahrtschiff passieren? Dadurch, dass die Reichen und Superreichen wegfallen, wird das Schiff leichter werden und höher aus dem Wasser herausragen. Die Wasser- bzw. Armutsgrenze verschiebt sich also von 800 Euro auf 700 Euro. Und dadurch passiert etwas Paradoxes: Wenn Sie z.B. 750 Euro im Monat verdienen, waren Sie vor der Enteignung arm. Danach jedoch gehören Sie plötzlich zur gesicherten Mittelschicht. So funktioniert Armutsstatistik!

Vince Ebert


Fangen wir mal mit den kleinen und wahrscheinlichsten Schritten an: Die Mehrwertsteuer wird einheitlich auf 20 Prozent angehoben, auch für Lebensmittel. Da kann niemand ausweichen, Hunger lässt sich nicht wegsteuern und das Brot oder der Liter Milch kostet dann 13 Prozent mehr. Schlecht ausweichen können auch Deutschlands-Autofahrer, weshalb die streckenbezogene PKW-Maut eingeführt wird. Das Kontrollsystem ist ja bereits installiert, wer viel fährt sollte 1000 Euro im Jahr zusätzlich einkalkulieren. Überhaupt sollte es im Dienste der guten Sache keine Denkverbote geben. Genau wie eine Zweitwohnungssteuer kommt deshalb die Zweitfahrzeugsteuer: Sie könnte doppelt so hoch sein wie für das erste Auto, selbstverständlich aus reinen Klimaschutzgründen. Ebenfalls bereits abgeschlossen sind die Vorbereitungen für die kreative Besteuerung der deutschen Immobilienbesitzer. Der kürzlich erfolgte Zensus eröffnet großartige Möglichkeiten. Besitzer von Zweit-Immobilien könnten um einen Solidaritätszuschlag gebeten werden - und dieser solidarischen Forderung könnte mit Androhung einer Zwangshypothek in Höhe von 20.000 bis 50.000 Euro Nachdruck verliehen werden. Mit Immobilienbesitzern, die Klimaschutz-Renovierungen nicht finanzieren können, wird genauso verfahren. Ansonsten geht ihr Eigentum an die Klima-Treuhandanstalt über, von der sie ihr Häuschen zurückmieten können. Und wenn dann alle pleite sind und Fahrrad fahren, dann kommt die Kennzeichenpflicht für Deutschlands 67 Millionen Drahtesel. Die Gebühren in Höhe von 100 Euro jährlich sind doch wirklich jedermann zumutbar.

Maxeiner und Miersch: Herr Ober, die Rechnung


Fragt man in Studien die Wertespektren der Deutschen ab, so vertritt eine Mehrheit eher konservative Standpunkte von Familie bis Eigenheim. In Finanzdingen erwarten die Meisten geringe Abgaben bei möglichst umfassendem staatlichem Leistungskatalog. Eine liberal-konservative Konstellation. Hinzu kommen Umweltschutz, sichere, billige Energie, Bildung und vor allem Gesundheit. Man muss den Grünen für ihren parteipolitischen Olympia-Boykott und beispielsweise der Grünen-Spitzenkandidatin von Berlin, Renate Künast, für ihre Forderung nach Tempo 30 für alle fast schon dankbar sein, weil mit solchen Ansagen klargemacht wird: Wer Grün wählt, bekommt auch Grün.

Ralf Schuler


Das gesamte Geldvermögen der Deutschen beträgt Ende 2010 4,88 Billionen Euro. Davon entfallen 38 Prozent auf Sparformen, 29 Prozent auf Versicherungen (hauptsächlich auf Kapitallebensversicherungen) und 28 Prozent auf Fonds, Anleihen, Aktien und börsennotierte Beteiligungen. Selbst für den Fall das die derzeitige Tiefzinsphase endet, bleiben Lebensversicherungen eine kaum zu empfehlende Geldanlage, denn bei steigenden Zinsen sinken die Kurse insbesondere der höher verzinsten Langläufer unter den Bankanleihen (Griechenland, Irland usw.) mit denen sich die Geldinstitute in der Niedrigzinsphase massiv eingedeckt haben. Solange aber ein paar glimpflich verlaufene Auktionen von spanischen, italienischen und portugiesischen Staatspapieren darüber hinwegtäuschen, das diese Länder im Grunde längst pleite sind - in offizieller Spachregelung also auf eine "Umschuldung" angewiesen sind, weil sie sonst ihre Zins- und Tilgungsleistungen nicht mehr bedienen könnten -
werden sich die von der deutschen Regierung geschützen Banken nicht von ihren lukrativen Versicherungsgeschäften trennen.


Laut einer Umfrage haben über 40 Prozent der Deutschen Angst vor der Marktwirtschaft. Damit liegt der Kapitalismus noch vor der Klimakatastrophe und Virginia Woolf. In Zeiten der weltweiten Finanzkrise erfährt „links sein“ eine Renaissance. Sogar schon bei vielen FDP-Anhängern. Denn der entfesselte Raubtierkapitalismus hat uns alle an den Rand des Ruins getrieben. „Mehr staatliche Regulierung“ fordert der kleine Mann und vergisst dabei, dass es paradoxerweise gerade die staatliche Niedrigzinspolitik der Zentralbanken war, die die Krise verursachte. Dass sich jetzt selbst viele Politiker hinstellen und die „unverschämte Gier der Banker“ brandmarken, ist in etwa so, als ob ein Brandstifter die Streichholzindustrie für’s Feuer verantwortlich macht (...) Als neoliberal gelten hierzulande Leute, die sich mit den Gesetzen der Ökonomie den Problemen der Wirklichkeit stellen und dabei auch noch Sympathie für die Marktwirtschaft erkennen lassen. Das ist für viele Linke ungefähr genauso, als wenn man zuhause Plutonium anreichert oder einen schwunghaften Organhandel betreibt. Für Oskar Lafontaine ist ein Mensch sogar schon neoliberal, wenn er darauf besteht, das zwei und zwei vier ergibt.

Vince Ebert


„Es werd‘ immä schlimmä mit dem Turbokapitalismus. Guck dir doch mal die Armut in Deutschland an …“ Traurig, aber wahr. Jedes Jahr zur Spargelernte und Weinlese müssen zehntausende Ukrainer, Tschechen und Weißrussen nach Deutschland gekarrt werden, weil die von Armut betroffenen Deutschen mittlerweile zu schwach sind, um diese Arbeiten ausführen zu können. Da immer mehr Manager aus Profitgier unsere Arbeitsplätze nach Polen verlagert haben, haben die Polen mittlerweile Wichtigeres zu tun, als uns den Spargel zu stechen und den Wein zu lesen. Ich befürchte, wenn diese Entwicklung in dem Tempo weitergeht, haben bald auch die Ukrainer, Weißrussen und Tschechen keine Zeit mehr für uns. Dann müssen wohl oder übel die Kasachen und Mongolen ran. Aber ob sich das noch mit den Fahrkosten rechnet? Vielleicht kann man da ja was mit der Pendlerpauschale machen.

„Scheiß Globalisierung“, so der frustrierte Kommentar meines Onkels. Dabei ist die Idee des globalen Handels keine neue Erscheinung. Bereits im sechzehnten Jahrhundert sind die Spanier nach Südamerika gefahren und haben den Indios Gold, Kartoffeln und Tomaten geraubt. Dafür spielen die Indios zur Strafe bis zum heutigen Tag Panflöte in der Fußgängerzone. Vielleicht gibt es ja deswegen in Deutschland so viele Globalisierungsgegner.

Doch seit der freie Handel große Teile der Welt erfasst hat, haben sich mehr Menschen von Armut befreit als jemals zuvor in der Geschichte. In den letzten fünfzig Jahren sank der Anteil der Menschen, die in den Entwicklungsländern nicht genug zu essen hatten, von fünfundvierzig auf achtzehn Prozent. Im gleichen Zeitraum stieg die weltweite Lebenserwartung von fünfunddreißig auf siebenundsechzig Jahre.

Vince Ebert: Wer hat Angst vor’m freien Markt?


Wahlkämpfe wurden mit der Ausdehnung sozialer Transfers gewonnen - nicht mit der Steigerung ihrer Wirksamkeit
. In einem der am besten finanzierten Wohlfahrtssysteme sind viele Menschen dauerhaft von Arbeit und Bildung ausgesperrt. Obwohl soziale Zwecke bald ein Drittel der Wirtschaftsleistung beanspruchen, werden Sozialhilfekarrieren erblich. (...) Man kann die Realität beklagen: An ihrer Produktivität orientierte Löhne sichern für Geringqualifizierte angesichts der Konkurrenz durch Weltmarkt oder Schwarzarbeit vielfach nicht die Existenz. Ein übergreifender gesetzlicher Mindestlohn als politisches Diktat wiederum ist zu wenig flexibel und überdies anfällig für Wahlkampfmanöver und Wettbewerbsverzerrung

Christian Lindner


Gut qualifizierte Menschen werden aus dem Land geekelt, aber hundertausende wandern jedes Jahr direkt in die Sozialsysteme ein. Dass das nicht gutgehen kann, könnte jeder Drittklässler ausrechnen. Dazu kommt das Downbreeding: Leistungsträger haben bei der Arbeitsbelastung kaum noch Zeit, Kinder zu erziehen, hingegen wird das Kinderkriegen in den oft lebensuntüchtigen Schichten dezidiert gefördert: Eine Abwärtsspirale, denn wer soll den in ein paar Jahren noch in die Sozialsysteme einzahlen? Das Ganze nennt sich dann geschönt "soziale Gerechtigkeit". In Wirklichkeit ist es eine tickende Zeitbombe. "Mehr Geld für Bildung" kann das nicht auffangen, was vom Elternhaus her fehlt.

Leserkommentar von "borax" auf einen Artikel im "Tagesspiegel" zum Thema Integration


Migration geschieht mittlerweile zu einem Großteil direkt in die historisch gewachsenen Sozialsysteme der europäischen Länder. Einst dazu gedacht, indigene Europäer im Fall eines Sozialabstieges temporär zu unterstützen, werden längst große Teile der europäischen Sozialetats zur dauernden, oft lebenslangen Unterstützung überwiegend muslimischer Migranten in Anspruch genommen und damit missbraucht. Ein Fakt, der von Politik, Medien und Intellektuellen aus Unwissenheit oder Angst gegenüber den einheimischen Europäern zum Tabu erklärt wurde.

Michael Mannheimer / siehe auch > Christopher Caldwell


Laut einer OECD-Studie verliert kaum ein anderer Industriestaat so viele Akademiker ans Ausland wie wir. Der Anteil der Promovierten liegt unter den Auswanderern im Schnitt zehnmal höher als beim Rest der Bevölkerung. Von den siebentausend Medizinstudenten, die bei uns pro Jahr ihr Studium beenden, verlässt knapp die Hälfte Deutschland. Die Ausbildung dieser dreitausend Ärzte kostet unseren Staat rund 600 Millionen Euro, von denen heute, so der Spiegel, "Patienten in Großbritannien, Norwegen oder der Schweiz profitieren". (...) Während man Hochqualifizierte vertreibt, zieht man Nichtqualifizierte in Massen an. Deutschland, so schreibt der Migrationsforscher Klaus Bade, hat "jahrzehntelang einen organisierten Unterschichten-Import“ betrieben. "Und heute wundern wir uns, dass keine Nobelpreisträger daraus geworden sind." (...)


Hans-Olaf Henkel: Der deutsche Migrations-Skandal


Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer ? - Das ist falsch. Schlicht falsch! Das ist einer dieser Glaubenssätze der Pessimisten, und er stimmt einfach nicht. Richtig ist: Die Reichen werden reicher, die Armen aber auch. Und zwar sehr viel schneller als die Reichen. Der Konsum der Armen in den Entwicklungsländern ist zwischen 1980 und 2000 doppelt so schnell gewachsen wie im Weltdurchschnitt. Die Chinesen sind heute zehnmal so reich und vermehren sich nur noch ein Drittel so stark wie vor fünfzig Jahren, gleichzeitig leben sie durchschnittlich achtundzwanzig Jahre länger. Sogar Nigerianer sind heute doppelt so reich und 25 Prozent weniger fruchtbar als im Jahr 1955, und sie leben neun Jahre länger.

Matt Ridley


"Während die Reichen auch in Deutschland ärmer wurden", schreibt die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung Ende Juli 2009 zu Recht, "hat die Krise die Armen hierzulande bisher kaum getroffen. Denn viele von ihnen beziehen Sozialleistungen, die genauso weitergezahlt werden wie zuvor" - Dass die Armen durch die Globalisierung reicher geworden sind, dass Millionen Inder und Chinesen, die einst hungern mussten, heute nicht mehr hungern und sich eine kleinbürgerliche Existenz aufbauen konnten und dass in viele Entwicklungsländern mit der Marktwirtschaft auch Demokratie und Menschenrechte Einzug gehalten haben, passt einfach nicht ins Bild. Eine Demokratie ohne Marktwirtschaft gibt es nicht, und umgekehrt – das zeigen Entwicklungen in Lateinamerika, Osteuropa und Asien. (...) Dieser Zusammenhang wird am wenigsten in Deutschland anerkannt. In diesem Land, welches nach Schweden die höchsten Sozialausgaben der Welt hat – Sozialausgaben, die steigen und steigen –, wird steif und fest behauptet, dass auch die Anzahl der Armen steige und steige.

Es versteht sich von selbst, dass über die Änderung der statistischen Basis geschwiegen wurde. Dabei ist diese Formel, bei der jeder, der weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verdient, als "arm" zu gelten hat, sowieso unsinnig, denn sie blendet die reale Situation der "Armen" völlig aus. Armut wird bei uns rein relativ definiert.

Die Armutsformel ignoriert den tatsächlichen Lebensstandard und ersetzt ihn durch den Grad der erreichten Gleichheit.Das lässt sich an zwei Beispielen einfach demonstrieren. Man stelle sich vor, alle, die Armen und die Reichen, würden morgen jeweils das Doppelte ihres heutigen Einkommens beziehen: Wir hätten immer noch genau soviel "Arme" wie vorher. Oder man würde festlegen, dass alle, Arme wie Reiche, morgen nur noch 500 Euro im Monat bekämen: Wir hätten überhaupt keine Armen mehr. Würde man die Armutsformel auf beide Teile Berlins anwenden, käme heraus, dass es im Westen mehr Arme gibt als im Osten!

Hans-Olaf Henkel: Die Armuts-Heuchler


Die Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens ( > Götz Werner, > FDP-Bürgergeld, >
Susanne Wiest) argumentieren mit dem sozialem Strukturwandel in unserer Gesellschaft. Durch den technologischen Fortschritt wird es in Zukunft immer weniger entlohnte Erwerbsarbeit geben und der demographische Wandel wird in wenigen Jahrzehnten bereits zu einem Kollaps des Rentensystems führen.
Das bedingungslose Grundeinkommen ist nun die Voraussetzung dafür, dass die Bevölkerung, unabhängig vom existentiellen Druck des Geldverdienens, mehr Zeit für soziale Tätigkeiten wie Kindererziehung oder die Betreuung alter Menschen aufwenden könnte. (...) Kritiker befürchten, ein bedingungsloses Grundeinkommen werde Bürger zur Untätigkeit verleiten, da der materielle Anreiz zu arbeiten sinke. Ebenso würde durch die Einführung des BGE der Niedriglohnsektor mit unangenehmen Arbeiten zum Erliegen kommen.

Alem Grabovac: Macht das Grundeinkommen faul ?


Zur Menschenwürde gehört auch, dass der Mensch zur Selbsthilfe und zur Selbstverantwortung fähig ist und sich beschämt fühlt, wenn er auf Kosten anderer Leute, sei es auch über Staatsgeschenke, leben muss. Den Empfängern solcher Geschenke ohne Gegenleistung darf es nicht erspart bleiben, diese Situation als schmerzlich zu empfinden. Eben dies spornt an, aus dieser unwürdigen Lage wieder herauszukommen. Gerade dieses gewisse Stigma der öffentlichen Unterstützung empfinden aber unsere Sozialapologeten als eine unzumutbare „Demütigung“, jedenfalls als unwillkommenes Hindernis ihres umverteilenden Ehrgeizes, der ihren Job sichert. Sie suggerieren ihren Klienten: Du empfängst keine Almosen, sondern bekommst nur dein gutes Recht, wenn du Unterstützungsleistungen empfängst. Ein seltsames Recht, dem Nächsten in die Tasche zu greifen! (...) Auch versuchen die Behörden seit Jahrzehnten, mit Begriffsmanipulationen die Annahme der Hilfe psychologisch akzeptabler zu machen – Kampf gegen die „verschämte Armut“. So wandelte sich begrifflich die althergebrachte Armenpflege zur Fürsorge, dann zur Sozialhilfe, schließlich ganz wertneutral zu Hartz IV. Aus „Armen“ wurden „Hilfebedürftigen“, dann „Hilfeempfänger“, schließlich „Leistungsempfänger“. Eine wunderbare Karriere! (...) Die gegenwärtige Sozialhilfe hat den Ehrgeiz, Verarmung und Misserfolg möglichst vor den Augen anderer zu verbergen.

Gerd Habermann


Die politische Führung der USA hat bewusst die sozial Schwächeren mit billigen Immobilienkrediten versorgt, damit diese vergaßen, dass ihre Einkommen stagnierten. "Die Bürger gelangten leicht an Kredite, die Hauspreise stiegen, sie fühlten sich reich, sie liehen sich mehr Geld und konsumierten". Es ist das alte Konzept, Brot und Spiele. Für die Regierungen, rechte wie linke, sei das einfacher gewesen, als in Bildung oder Gesundheit zu investieren.

Raghuram Rajan


Bereits fünf Jahre vor der Lehman-Pleite war die Schieflage des deutschen Finanzplatzes bekannt. Das Giftvolumen durch unzureichend gedeckte Kredite wurde auf bis zu 300 Milliarden Euro geschätzt. Systematisch versteckten die Banken mit Bilanztricks ihre faulen Papiere und täuschten damit ihre Aktionäre. (...) Banken, Kontrollinstanzen, Finanzpolitiker: Alle wussten Bescheid, alle halfen beim Versteckspielen. Die Beamten in Aufsichtsbehörden und Finanzministerien betrieben routiniert ihr Berichts- und Meldewesen, registrierten, lochten, hefteten ab. Aufsichtsräte und Wirtschaftsprüfer schauten weg. "Deutschland war Weltmeister in riskanten Bankgeschäften", resümiert EU-Kommissar Günter Verheugen. "Nirgendwo auf der Welt, auch nicht in Amerika, haben sich Banken mit größerer Bereitschaft in unkalkulierbare Risiken gestürzt – allen voran die Landesbanken."

weiter > hier: Die Lehmann Lüge


Die Summen, die beim Einsatz des Hebels im Gespräch sind, machen klar, worum es in Wahrheit geht: Nicht um den Euro, nicht um Bankenrettung – sondern um Staatenrettung. Dtie Märkte geben den Staaten kein Geld mehr, und hier geht es nicht nur um Griechenland oder Portugal, nicht einmal mehr nur um Spanien, sondern es geht um Italien und Frankreich. Die Anleger kaufen nicht mehr in dem Ausmaß Staatsanleihen, wie es die gelddurstigen europäischen Staaten brauchen. Es geht darum, „Zeit zu gewinnen“, wie die Politiker in schwachen Momenten schon zugegeben haben. Zeit wofür? Bis die Märkte wieder Vertrauen gefasst haben, um Staatsanleihen kaufen. Das ist ein frommer Wunsch. Denn es ist nun auch dem letzten Gutgläubigen vorgeführt worden, dass die Staaten finanziell am Ende sind und das politische Personal keine Kompetenz hat, sondern experimentiert wie jemand, der gerade seine ersten Berufserfahrungen macht.

Manfred Gillner: It’s The State, Stupid!


Da gehen übers Wochenende mal eben 18 Milliarden Euro über die Wupper, aber irgendwie scheint das niemanden zu jucken.
Wer die Berichte – oder besser: die Nichtberichte – über die Milliarden-Transaktion von der Problembank Hypo Real Estate zur Bad Bank verfolgt hat, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Man fragt sich: Was vermitteln die Medien eigentlich über die größte Finanztransaktion in der deutschen Geschichte?

Wolfgang Michal - zum Thema siehe auch: Die Bundes-Fee. Eine heitere Geschichte aus dem Märchenland der Banken - Dirk Elsner: Hypo Real Estate erhöht heute Deutschlands Staatsverschuldung um 8% - und: Harald Schumann: Die Geretteten


Eine insgesamt älter werdende Gesellschaft wird auf steigende Kapitalintensität setzen – so meine feste Überzeugung. Oder die Produktion woanders hin verlagern, wenn der Ersatz von menschlichen Arbeitsplätzen durch Maschinen nicht lohnt. Eine andere Logik will mir, ceteris paribus, nicht in den Sinn. Denn wenn Arbeitslosigkeit anliegt, weil die Erträge zusätzlicher Arbeit ihre Kosten nicht übersteigen, warum sollte dann eine weitere Verknappung (und damit Verteuerung) von Arbeit zu einer Erhöhung der Beschäftigung führen? Noch dazu in einer Hochleistungs-Ökonomie wie der deutschen, die sich ressourcen- wie absatzseitig am Weltmarkt und dem dort herrschenden Preisgefüge orientiert?

Thomas Strobl: Hurra, die Arbeiter gehen uns aus ! - Siehe auch: Rainer Hank: Es gibt ganz schön was zu tun


In den USA wird Armut nicht wie in Deutschland relativ zum mittleren Einkommen definiert, sondern über die Summe die nötig ist, um einen Menschen gesund zu ernähren. Demnach ist arm, dessen Einkünfte weniger als das Dreifache der Kosten für eine gesunde Ernährung betragen. Dies sind derzeit (2010) etwa 47.4 Millionen Amerikaner oder 15,8 Prozent der Bevölkerung.


1978 lag in den USA das Durchschnittseinkommen von Männern bei 45.879 Dollar. 2007 waren es inflationsbereinigt 45.113 Dollar. Mit anderen Worten: An der amerikanischen Mittelschicht sind 30 Wachstumsjahre ohne finanziellen Zugewinn vorübergegangen.

Der Spiegel 44/2010: Good night, America